Zehntes Türchen

Gegensätze: Zwei Romane, zwei Welten – ein Türchen. Nr. 10

Juliana Kálnay und Fernanda Melchor aus dem Hanser Verlag

 

 Juliana Kálnay lässt uns durchs Schlüsselloch schauen oder besser gesagt durch all die Schlüssellöcher der Bewohner des Hauses 29. Dieser Blick holt uns ins Leben der Hausbewohner und wir können deren Geschichten sehen, riechen, hören, fühlen. Dieses Debüt, das schon 2017 erschien, spricht in all seiner Surrealität all unsere Sinne ein. Echt etwas Feines.

In der „Saison der Wirbelstürme“ holt uns die mexikanische Journalistin und Autorin Fernanda Melchor in die Realität: ins Dorf Matosa, eine Ansammlung von windigen Häusern, Baracken, Bordellen und Kneipen – ein Ort, an dem Arbeiter und Fahrer von Öltransportern ihren Lohn auf den Kopf hauen. Hier hat sich ein Mord ereignet, der Mord an der Frau, die alle nur Hexe nannten. Die Auflösung ist keine Kriminalgeschichte sondern Sozialkolorit mit all seinen Ecken, Kanten, Schärfen und mit dem entsprechenden Vokabular, das alles andere als fein ist.

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Worum geht es in Fernanda Melchor, „Saison der Wirbelstürme“? 

Die Hexe ist tot, ermordet – aber hat sie’s nicht genau so gewollt? Sprachgewaltig, schmutzig und mit der Sogkraft eines Wirbelsturms schreibt Fernanda Melchor, eine der wichtigsten jungen Stimmen Lateinamerikas, über die viel zu alltägliche Gewalt gegen Frauen.

La Matosa, eine gottverlassene Gegend in der mexikanischen Provinz. In der brütenden Hitze bewegt sich eine Gruppe von Kindern durchs Zuckerrohrdickicht. Zwischen Plastiktüten und Schilf stoßen sie auf eine Tote, ihr Gesicht ist zu einer grausig lächelnden Grimasse entstellt: La Bruja, die Hexe, eine von den Dorfbewohnern so gefürchtete wie fasziniert umkreiste Heilerin.

Manche sagen, in ihrer schwefligen Küche braue sie Tränke gegen Krankheit und Leid, andere sagen, die Alte treibe es mit dem Teufel. An Mordmotiven fehlt es nicht: Eifersucht, Drogenhandel, Leidenschaften, die besser nicht ruchbar werden – und hat die Hexe nicht doch einen Schatz versteckt? Selbst die Polizei sucht nach dem Geld …

»Saison der Wirbelstürme« ist die Chronik dieses unvermeidlichen Todes und zugleich die schwindelerregende Reise ins finstere Herz eines Landes, das bis in den letzten Winkel von Gewalt durchdrungen ist – vor allem gegen Frauen. Fernanda Melchor schafft eine brodelnde Atmosphäre, in der jede Geste der Zärtlichkeit im nächsten Augenblick in Brutalität umschlagen kann, gegen die kein Kraut, kein Zauberspruch mehr hilft.

Stimme zum Buch 

„Verdammt gut geschrieben und verdammt gut übersetzt: Fernanda Melchors vulgärer, funkelnder, außergewöhnlicher Mexiko-Roman „Saison der Wirbelstürme“ (Süddeutsche Zeitung)

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Worum geht es in Juliana Kálnay, „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ „?

Don verwandelt sich vor den Augen seiner Frau in einen Baum. Ronda hält Goldfische, die nicht bleiben wollen. Die Zwillinge aus dem dritten Stock sind gar keine. Doch von Toni und Bell wissen alle. Die Menschen in Nummer 29 sind seltsam verschworen, kennen sich dabei kaum und teilen längst nicht jedes Geheimnis.

Im Haus mit der Nummer 29 wohnt zuallererst Rita, fast so alt wie das Haus selbst. Sie ist Beobachterin, Schlichterin und Richterin, ein Knotenpunkt mit geheimnisvollen Fähigkeiten und Absichten. Außerdem das Ehepaar Lina und Don, deren Liebe auch Dons fundamentale Verwandlung ziemlich fruchtbringend überdauert. Es gibt einen unbemerkten Mitbewohner, der sich im Aufzug einnistet, es gibt ein Kind, das sich durch Mauern beißt, und eine Wohnung, die ihre Mieter förmlich verschluckt. Rita sieht, was keiner zeigt, und sie versteht, was keiner sagt. Doch bevor sie ihr Wissen weitergeben kann, ist die kleine Maia auf rätselhafte Weise verschwunden.

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„So schön und surreal all die Bilder sind, die Juliana Kálnay in ihrem Debütroman zu einem fast märchenhaften Teppich verwebt, so sind es doch die vielen, von der Autorin geschickt platzierten Leerstellen, die den Leser fordern, das Bild eigenständig zu vervollständigen und die auch lange nach Beenden des Buches nicht loslassen. Auch die Liebe der Hamburger Autorin zu ihren Figuren ist auf jeder Seite zu merken. Sie scheint mit ihnen in jenem Haus zu leben, das geheimnisvoller und spannender kaum sein könnte.“ (Kultumea)

Mach mit und gewinne!

Fernanda Melchor, „Saison der Wirbelstürme“, aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammarerscheint im Januar 2020, 240 Seiten. Broschiert, ISBN 978-3-8031-2826-3
Juliana Kálnay, Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens, Quartbuch. 2017, 192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-8031-3284-0

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Dieses Gewinnspiel ist beendet.

Eine tolle Adventszeit wünschen dir das litnity Team und

 

Teilnahmebedingungen:

Vom 1.12. bis 24.12.2019 öffnet sich jeden Tag ein Türchen unseres Literarischen Adventskalenders und der Buchgewinn des Tages wird sichtbar. An jedem dieser Tage hast du von 00:01 Uhr bis 23:59 Uhr die Möglichkeit, deinen Namen in den Lostopf zu werfen: Einfach auf das Türchen klicken, deinen Vor- und Nachnamen sowie deine E-Mail-Adresse eintragen und abschicken! Es gilt der protokollierte Zeitpunkt des E-Mail-Eingangs. Teilnehmen darf jede/r, der Bücher mag. Die GewinnerInnen werden per Zufall ausgelost. Wir benachrichtigen die GewinnerInnen per E-Mail. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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