DIE NEUNZIGER

S-Bahn-Gedichte und Nacht-Bilder, Retrospektive

von

Exposé

Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir von Krisen erfasst werden und Konflikten gegenüber stehen? Fragen über Fragen und schon befindet man sich auf der Suche nach Lösungen …

Damals, in den neunziger Jahren, habe ich intuitiv meine inneren Bilder, die hoch kamen, aufgemalt, meine Träume einbezogen und Gedanken in Worte fließen lassen. Heute ist es mein eigener analytischer Blick, der mich selber auf das neugierig macht, was damals gelaufen war mit der Überlegung, was daran fassbar ist und in welchen Prozessen wir uns damals befunden haben.

Steigen wir ein in die Jahre nach dem Fall der Mauer. Politisch geprägt von dem Slogan „Wahnsinn“, bestand der Alltag aus ganz anderen Gefühlen und Handlungszwängen, um täglich neue Entscheidungen zu treffen und sich den laufenden Veränderungen zu stellen. Gefordert war der Systemwechsel auf allen Ebenen. Dazu gehörten für mich u.a. ein Berufsneuanfang, Wohnungswechsel, Themen zur Gesundheit und Krankheit und die große Sorge um die eigenen Familienmitglieder. Alles eingepresst in das tägliche Vierundzwanzig-Stunden-Korsett und bedingt durch die politische Umorientierung. Obwohl die Lust auf das Neue wie ein großer Energieschub empfunden wurde, verlangte es trotzdem ein unerbittlich ständiges Dazulernen und Durchhalten müssen.

Mein Ventil waren neben Malstiften mein Notizbuch und die Musik. Jetzt – im Rückblick – eine Rettung und ein Geschenk!

Nun ist es an der Zeit, dieses Geschenk mit anderen Menschen zu teilen und wieder in die Öffentlichkeit zu gehen. Es ist das Positive an der Erinnerung: Wenn die Sicht auf das Geschehene klarer wird, werden Perspektivwechsel möglich und es kann besser darüber gesprochen werden. Dieser Dialog ist für beide Seiten ein ganz persönlicher Gewinn.

So soll meine Erinnerung auch anderen Menschen Mut machen, den Blick auf das Eigene zuzulassen, möglicherweise zu verändern oder in ganz persönliche Kraft umzuwandeln. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Und wer es aktuell braucht, kann es tun. Der beste Lehrmeister wohnt in jedem von uns selber!

Das Bilder-Gedichte-Tagebuch wurde ganz neu zusammengestellt. In seiner Fülle ist es ein großer Schatz an widersprüchlichen Momenten, authentisch zur damaligen Zeit. Zu den Bildern gab es bereits in den Jahren 2001 und 03 Ausstellungen. Für 2021 ist eine Ausstellung in Berlin geplant.