Achterbahn

Erfahrung kommt aus unseren Dummheiten

von

Schon als Teenager standen viel zu viele Fettnäpfchen in meinem Weg. An keines kam ich vorbei, ohne vorher reingetreten zu sein.
Mein Körper. Er bescherte mir von Anfang an nichts als Ärger. Als treue Wegbegleiter der Jo-Jo-Effekt und Abführtropfen. Meine Haare. Irgendwann entschieden sie sich zur Rebellion. Störrisch und ungeschmeidig schossen sie aus der Kopfhaut, eins gerade, das andere in einer undefinierten Locke. Ein aschgrauer Strohballen schmückte mein Haupt. Misslungene Zungenküsse, ungeschicktes Fummeln und unzählige Liebeskummer begleiteten mich beim Erwachsenwerden. Trost fand ich in Gummibärchen. Millionen von Gummibärchen. Ich redete mit ihnen, klagte ihnen mein Leid bevor ich sie ass. Ich überstand die Pubertät. Nicht gänzlich unbeschadet begann ich einen neuen Lebensabschnitt. Aus Jungs wurden Männer, doch der Liebeskummer blieb der gleiche. Aus Fehlern zu lernen war mir unmöglich. Ich war sozusagen besessen davon, sie zu wiederholen.
Die Flucht ins Ausland versetzte mich in einen Schockzustand. Viel zu schnell und unvorbereitet überkamen mich Veränderungen. Mein Körper, mein Geist, jede Zelle hatte sich an einen unzufriedenen, unspektakulären Zustand gewöhnt. Viel zu viel Bewegung und Abwechslung mischten sich in den Tag. Irgendwie war alles farbig, laut und unruhig geworden. Unerträglich, entschied mein Körper. Immer wieder Höhen und Tiefen. Von einem Looping in den anderen. Manchmal auf einer Geraden, viel zu kurz und dann wieder mit viel zu hoher Geschwindigkeit hinein in ein weiteres Gefühlschaos. Keine Gelegenheit auszusteigen, zum abspringen viel zu schnell. Es war furchtbar anstrengend mit dem Leben fertig zu werden. Wertvolle Lebenserfahrungen waren vorhanden, doch die Fähigkeit, sie umzusetzen schlug jedes Mal fehl. Somit schlitterte ich von einem Desaster ins andere, mal weniger und mal mehr bedeutend. Eine Fahrt auf der Achterbahn, die nicht aufzuhören schien.