Aus Staatsräson und anderen Gründen

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Knapp vor Ende seiner aktiven Laufbahn gerät der Ich-Erzähler, der honorige Ministerialrat Dr Ottokar Th., ob der Zustände im Justizressort ohnehin schon seit einigen Jahren in einer tiefen Sinnkrise befindlich, ein wenig auf die schiefe Bahn. Er lernt nämlich über Vermittlung eines alten, schrulligen Studienkollegen den zwielichtigen, seit einiger Zeit vom Dienst suspendierten Staatsanwalt Dr. Drewitschko kennen, der auf ersten Blick in der entlegensten niederösterreichischen Provinz ein Aussteigerdasein führt und vorgibt, an diversen alternativen Wirtschafts- und Geldwährungsprojekten zu arbeiten. Drewitschko selbst begegnet dem Erzähler als neuzeitlicher Feudalherr in seinem Anwesen, dem Schloss Schechenjednitz, durchaus freundlich und zugetan. Die sich aus einer musikhistorischen Debatte anlässlich eines Beethovenkonzertes zwischen beiden Männern rasch entwickelnde Freundschaft scheint auf einer Art Seelenverwandtschaft und gleicher Interessenslage zu beruhen – beide sind sie hart gesottene Zyniker, dazu gebildet und hochkultiviert. Als alter Sozialdemokrat, der sich längst von seiner Partei ob ihrer Konspiration mit dem Neoliberalismus abgewandt hat, findet Th. sofort Gefallen an den von Drewitschko vertretenen Wirtschaftstheorien nach Silvio Gesell und bietet seine Mitarbeit an. Er vertieft sich in diese Materie und gerät immer mehr in Drewitschkos Bann. Erst nachdem der berühmte und allseits beliebte Staatskünstler Udo Herschmanitz den Th. im Umfeld Drewitschkos kennenzulernen die mehr als zweifelhafte Ehre hatte, unweit vom Schloss ermordet aufgefunden wird, wird sich der Ministerialrat seiner Verstrickung in immer undurchsichtiger werdende Vorgänge bewusst. Aber da ist es schon fast zu spät…