Barrikaden

Roman

von

Der junge Franz Hafner, hoffnungsvoller Student der Rechte in Wien, schreibt verstörende Briefe an seine ältere Schwester Elisabeth ins heimatliche Nikolsburg und an Bruder Anton, den in Ungarn stationierten k. k. Leutnant. Zu politischen Veranstaltungen gehe er, auf Versammlungen und gar in Kaffeehäuser, um zu diskutieren! Welche neuen, aufrührerischen Gedanken haben vom kleinen Bruder Besitz ergriffen und machen es möglich, dass er es, bei einem seiner wenigen Besuche zu Hause, sogar dem Vater gegenüber an gebührendem Respekt fehlen lässt?Wir schreiben das Jahr 1848 – die Zeit, die als Inbegriff der ‚guten alten‘ gilt, ist vorbei und mit ihr die, nicht immer freiwillige, unpolitische österreichische Gemütlichkeit.Für die einen bedeutet das europäische Revolutionsjahr von 1848 die herbeigesehnte Änderung unerträglicher Zustände – etwa für Franz Hafner, der zum Kompaniekommandanten in der Akademischen Legion und Mitglied des Sicherheitsausschusses avanciert, oder für seinen von Metternichs Schergen zur Flucht nach Deutschland gezwungenen revolutionären Freund Carl Sonntag. Für die anderen – unter ihnen der konservative Vater, die besorgte Schwester und anfangs auch Anton, als kaisertreuer Offizier – geht mit der Angst vor der Revolution vor allem die Sorge um gesellschaftliche Umwälzungen einher.Reinhard Federmann lässt die Stimmung und die Stimmungsumschwünge des Revolutionsjahres in seinem Briefroman lebendig werden. Einfühlsam in der Sprache und detailreich in den Fakten gelingt es ihm so, seine Protagonisten stellvertretend für die verschiedenen Schichten und Standpunkte zu Wort kommen zu lassen und von den parallelen politischen Vorgängen in Frankfurt, Prag und Ungarn zu berichten. Nie aus der Rolle des Augenzeugen fallend verleiht er seinen Schilderungen eine verblüffend spannende Authentizität.