Bushaltestelle

von

Elkes Leben beginnt mit einem Desaster. Für Theresa, ihre Mutter, ist die Geburt traumatisch, sie kann die Tochter nicht annehmen und ignoriert sie fortan. Zu allem Überfluss ist Elke rothaarig wie ihr Vater Sepp, den die Mutter eher aus Verzweiflung denn aus Liebe geheiratet hat. Als Elkes kleiner Bruder Markus geboren wird, konzentriert sich die Fürsorge der Mutter ganz auf ihn.
Elke leidet still unter ihrer Unsichtbarkeit und verschwindet eines Tages. Den inneren Dialog mit der Mutter setzt sie Zeit ihres Lebens fort. Jahre später nimmt ihr Bruder wieder Kontakt zu Elke auf und trifft sie in Tschechien. Die Lebenswege von Elke und ihrer Mutter, mittlerweile im betagten Alter, werden wieder miteinander verknüpft. Vieles klärt sich, nichts wird entschuldigt.
Herausragend ist in diesem Roman einmal mehr Ulrike Anna Bleiers unverwechselbare Art zu erzählen. Mit der Du-Perspektive wählt sie eine ungewöhnliche Form, die die Person Elke und ihr Gefühl, bedeutungslos zu sein, zu fassen versucht. Der Text macht sichtbar, wie sehr die Geschichte unserer Familie in uns eingeschrieben ist. Bushaltestelle ist kein Buch über Heldinnen und Helden. Es ist ein Buch über Menschen, die ein Leben lang darauf warten, gesehen zu werden.