C/O Berlin Talents 36

Verónica Losantos / Anja Schürmann: Screen Memories

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Die Fotografie als ein Medium, dem nach wie vor der Glaube an ein »Es-ist-so-gewesen« anhaftet, scheint das ideale Mittel, um Erinnerung festhalten zu können. Denn sie wirkt als externer Erinnerungsanlass, übernimmt sinnstiftende Funktion für das abgebildete Ereignis und dokumentiert zudem, dass etwas überhaupt erst erinnerungswürdig ist. Doch wie zuverlässig ist Fotografie in der Vermittlung von Erinnerung? Und wie kann dieses Thema fotografisch umgesetzt werden, der Prozess des Erinnerns künstlerisch hinterfragt werden?
Verónica Losantos arbeitet in ihrer Serie screen memories die eigenen unvollständigen Erinnerungen an den abwesenden Vater auf. Nach Sigmund Freud sind diese sogenannten »Deckerinnerungen« der Versuch, den unbewussten Widerstand bei der Reproduktion von Gedächtnisinhalten zu überwinden. Losantos nutzt diese Methode künstlerisch, indem sie fehlende Erinnerungen fotografisch neu inszeniert. Indem sie dabei Wirklichkeit mit Fiktion vermischt und die Interpretation dem Betrachter überlässt, stellt sie die traditionellen Wahrheitskriterien der Fotografie bewusst infrage.