Concordia – Internationale Zeitschrift für Philosophie Heft 64

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Vorwort
Das vorliegende Heft von Concordia ist der zeitgenössischen Philosophie in Peru gewidmet. Es werden verschiedene methodische Ansätze vorgestellt, die sich mit diversen philosophischen Themen beschäftigen und so für die Vielfalt in der peruanischen Philosophie der Gegenwart sprechen. Allerdings wird der Leser feststellen können, dass trotz dieser Verschiedenheit den Ansätzen das Anliegen gemeinsam ist, die so genannte „nationale Frage“ als Horizont für die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragen zu berücksichtigen, wie zum Beispiel das Problem des Verhältnisses zwischen Philosophie und Kultur oder die Frage nach der Anerkennung des Anderen.
Man wird auch feststellen können, dass im Unterschied zur europäischen Perspektive auf die Problematik des Anderen in Lateinamerika und insbesondere in Peru der Andere „wir“ selbst sind. Bei der Erörterung dieser Frage können wir also nicht nur eine theoretische Reflexion über „Andere“ vorlegen, sondern wir müssen auf die ethischen Konsequenzen für unser eigenes Zusammenleben
hinweisen. Es gehört doch zum Alltag in unserer peruanischen Gesellschaft, dass wir Mitbürgern begegnen, die einen gemeinsamen geographischen Raum teilen und die gleichen Gesetze haben, jedoch keine gemeinsame Grundlage für eine wirkliche Verständigung haben. Seit der spanischen Eroberung vor mehr als 500 Jahren ist die Geschichte Perus der ständige Versuch, diese gemeinsame Basis für die Verständigung zu schaffen, um die Anderen nicht nur zu assimilieren, sondern sie als Gleiche in Recht und Würde anzuerkennen. Vor allem für die benachteiligte indigene Bevölkerung ist diese Geschichte eine Geschichte des Leidens gewesen.