Das Zimmer der unkeuschen Jungfrau

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Algerien in Aufruhr. Der sechzehnjährige Ailane will eigentlich nur ins Dorf, um für seine Mutter einen halben Zuckerhut zu kaufen. Auf dem Weg dorthin schließt er sich den Islamisten an, es bleibt unklar, ob freiwillig oder unfreiwillig. Die Jugendlichen schreien ihr Unbehagen heraus, der Aufstand am 5. Oktober 1988 wird blutig niedergeschlagen. Zu dieser Zeit verlässt Ailane sein Heimatdorf und kehrt erst am 11. September 2001 zurück, der Tag, an dem sich alles ändert. Dreizehn Jahre verbringt er im Lager der barbus, der Bärtigen, und erlebt ihre Grausamkeit, ihren Drogenmissbrauch und Homosexualität. Am Ende kommt heraus: Ailane hat einen Doppelgänger. Wer ist denn nun wer?
Eine Reise zwischen den Hirngespinsten einer grausamen Realität und den bizarren Auswüchsen verdrängter oder enttäuschter Gefühle. „Das Zimmer der unkeuschen Jungfrau“ vermischt realpolitische Ereignisse mit erfundenen. Amin Zaoui kritisiert gesellschaftliche Konventionen und die Reden jener Politiker, die behaupten, Algerien sei sicher, wirtschaftlich und politisch stabil, obwohl es in einer Krise steckt, bei der noch kein Ende abzusehen ist. Er behandelt das in der arabischen Welt tabuisierte Thema Sexualität mit geradezu brutaler Offenheit. Zaoui sucht Antworten auf die Frage nach den Ursachen für die Zerrissenheit seines Landes, für die Gesetzlosigkeit und die verlorene und noch immer nicht wiedergefundene Identität.