deutscher lyrik verlag

Lyrik

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Ich taufe »Etwasser« mal männlich. Der Etwasser. Vielleicht ist sein grammatikalisches Geschlecht aber auch sächlich: das Etwasser. Vielleicht ist »etwasser« der Komparativ von »etwas«. Oder doch ein bestimmtes Wasser, ein Et-Wasser halt. Immerhin treten in einem Gedicht dieses neuen Lyrikbandes der Künstlerin und Autorin Claudia Cornelia Parise zwei Mädchen auf, die sich »das Wasser vom Gesicht« streichen, nachdem sie verschwommen (!) waren, nicht etwa sich verschwommen hatten. In einem anderen Gedicht geht ein lyrisches Ich sein »Gesicht in Wasser tunken«. Wie dem auch sei, ich nehme mal an, dass der, die oder das »Etwasser«, der, die oder das dieser Gedichtsammlung seinen/ihren Namen gab, mit allen Wassern gewaschen ist. Ob er, sie, es dann seiner/ihrer Schöpferin gleichen würde? Wer weiß das schon. Der geneigte Leser mag seinen eigenen Reim auf all das finden, denn er ist es ja, welcher der grafischen Ansammlung von Kohlepartikeln – die jeder einzelne Text, der vor seine Augen tritt, erst einmal (nur) ist – seinen Sinn einhaucht, ihn damit gleichsam zum Leben erweckt. In diesem Sinne gibt die Lyrik der Claudia Cornelia Parise Anlass für viele »Wahrheiten« und Leben, auf jeden Fall für etwas mehr als nur eine einzige Deutungsmöglichkeit: ETWASSER eben. msf