Die Miniaturen des 18. Jahrhunderts

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Rainer Michaelis wurde geprägt von der geschichtsträchtigen Museumsinsel, in deren unmittelbarer Nähe er aufwuchs. Als Historiker mit Leib und Seele begeistert er sich für die archäologischen Schichten der Kunstwerke und spürt unter der Schönheit der Leinwand ihre historische Landschaft auf. Nach dem Kunstgeschichtsstudium an der Humboldt-Universität wurde er 1983 Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Gemäldegalerie. Er promovierte 1987 mit dem Katalog einer von ihm verwirklichten Ausstellung zum Ereignisbild des 18. Jahrhunderts. 1989 folgte der Katalog der deutschen Gemälde des Bodemuseums. Die Forschungsmöglichkeiten für den Spurensucher haben sich seit dem Mauerfall natürlich dramatisch verbessert durch Reisefreiheit und den Zugang zu internationaler Literatur. Dennoch war Michaelis bereits 1988 in Madrid, 1989, noch vor dem Mauerfall, in Bern und 1991 mit einem Stipendium des französischen Staates in Paris. Für Michaelis ist die Sammlungsgeschichte nicht vom einzelnen Gemälde zu trennen, gerade jetzt, da alle Werke endlich wieder zusammen hängen. Man dürfe nicht vergessen, daß der jetzige Bestand nicht der alten Sammlung entspreche, betont er, denn schließlich sind durch den Zweiten Weltkrieg über 400 Meisterwerke verschwunden. Aus dem von ihm herausgegebenen Reprint des Sammlungsverzeichnisses von 1830 und dem Verlustkatalog lassen sich die Auswirkungen der Zeitgeschichte ablesen. Michaelis ist nicht nur Herr über die mit edlem Grau bespannten Säle des deutschen, französischen und englischen 17. und 18. Jahrhunderts sowie über die erlesene Miniaturensammlung des 16. bis 19. Jahrhundert, er trug auch die 80 Aktenkartons der ehemaligen Ost- und West-Inventare zusammen und baute in zweimonatiger Arbeit die Bibliothek der Gemäldegalerie auf. Wer die Museumsgeschichte studiert, kann sich keinen besseren Kenner des Archivs und keinen freundlicheren Ratgeber wünschen.