Die Wollust

von

Die kleine Dorothea muss das Schlimmste ertragen, was man einem Kind antun kann: Sie wird von ihrem Vater und dessen
Bruder regelmäßig vergewaltigt. Dabei guckt ihre Mutter weg und lässt sie mit ihrer Demütigung, ihren seelischen sowie körperlichen Schmerzen und ihrer quälenden Scham allein. In einer solchen Atmosphäre kann sich kein Kind gesund entwickeln. Auch Dorothea nicht: So schmiedet sie teuflische Rachepläne …
Der Missbrauch an Kindern löst bei jedem ein großes Entsetzen aus. Leider bleibt es in den meisten Fällen dabei. Bis auf reißerische Berichterstattung und aufgesetzte Empörung gibt es kaum eine wirkliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. So werden die Folgen für die Opfer, aber auch für die Gesellschaft wenig thematisiert. Ein missbrauchtes Kind wird womöglich später selbst zum Täter, flüchtet sich in eine Opferrolle und „vererbt“ seine Traumatisierungen wiederum an seine Kinder weiter – ein Teufelskreis.
Die sozialen Fundamente, die das begünstigen, bleiben ebenso unerörtert, wie die Tatsache, dass Primärpräventionsangebote für Täter allenfalls in unzureichender Form vorhanden sind.
Auch der Weg in eine Beratung oder Therapie ist nicht immer einfach, denn letztendlich bleibt der Gang zu einem Psychiater
immer auch mit einem Makel behaftet.
Das alles kann die Betroffenen, ihre Familien und ihr Umfeld zusätzlich derartig belasten, dass sie – der Ruhe wegen – aufgeben.
Die Autorin greift mit ihrem neuen Buch in diese gesellschaftliche Wunde und zeigt anhand auch zum Teil drastischer Darstellungen, wie ein solcher Missbrauch physisch und psychisch abläuft. Als frühere Anwältin mit dem Schwerpunkt Familienrechtweiß sie, wovon sie spricht: Es ist Zeit diese Debatte zu forcieren. Wir sind es den Opfern schuldig.