Drohnenkrieg – Tod aus heiterem Himmel2

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Sie sind klein wie Insekten oder groß wie ein Passagierflugzeug – die ‚unmanned aerial vehicles‘ oder kurz Drohnen genannten neuesten Waffen. Ob zur Überwachung und Ausspähung oder zum gezielten Töten eingesetzt, die neueste Waffe der Rüstungsindustrie verspricht nicht nur Milliardengewinne in nächster Zukunft, sie wird auch militärische Auseinandersetzungen zwischen Staaten und die sogenannte ‚Aufstandsbekämpfung‘ fundamental verändern. Angepriesen als zielgenaue Waffe gegen ‚Terroristen‘, zeigt der Einsatz von Drohnen in Afghanistan, Pakistan, dem Irak und auch in Gaza und den von Israel besetzten Gebieten, dass auch diese Waffe nicht zwischen vermeintlichem Gegner und unschuldigen Zivilisten unterscheidet – bis heute starben rund viertausend Menschen bei Drohnen-Einsätzen die vorgeblich der ‚Ausschaltung‘ von Einzeltätern galten.

Die Spezialisten in den klimatisierten Einsatzzentralen der USA und Israels fällen ihre Entscheidung zur Hinrichtung durch Drohnen am Monitor, ihre Kommandostützpunkte sind Hunderte oder Tausende Kilometer vom Zielort der Hellfire-Raketen entfernt. Wer da in einem Basar von Peshawar pulverisiert wird, auf einer staubigen Piste im Gaza-Streifen verbrennt, ob es sich tatsächlich um ‚den Gegner‘ oder nur um einen Marktbesucher oder Bauern gehandelt hat, lässt sich anschließend nicht mehr sagen. Die Tötung mit dem Joy-Stick ist jedoch nur die letzte Konsequenz einer Militarisierung des Lebens in unseren Gesellschaften. Dieser Krieg beginnt bei flächendeckender Ausspähung durch Drohnen, minutiöser Dokumentation von Protestaktionen sei es bei Occupy in New York oder Blockupy in Frankfurt. Der Schritt vom Einsatz von Überwachungsdrohnen zu bewaffneten UAVs (unmanned aerial vehicle) –ob mit Raketen, Tränengasgranaten oder Gummigeschossen – wird mit jedem Tag kleiner. Ein Verbot militärischer und polizeilicher Drohnen ist deshalb für uns alle eine Lebensversicherung.

Medea Benjamin, geboren am 10. September 1952 in Long Island (New York), studierte an der Columbia-Universität Wirtschaftswissenschaften und Gesundheitswesen. Nach ihrem akademischen Abschluss arbeitete sie zehn Jahre für die Weltgesundheitsorganisation und die UN in Lateinamerika. Vier Jahre lebte sie in Kuba und veröffentlichte drei Bücher über das Land. Medea Benjamin und ihr Mann Kevin Danaher sind seit Ende der achtziger Jahre im Aktivisten-Netzwerk der Bay-Area in San Francisco aktiv. Dort gehören sie zu den Gründern von Global Exchange, einer heute internationalen Organisation für fairen Handel, und der antimilitaristischen Gruppe Code Pink. Medea Benjamin ist auch eine der Initiatorinnen der Gaza-Solidaritätsflotte, sie wurde 2005 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Seit 2009 ist einer ihrer Schwerpunkte die Mobilisierung gegen den zunehmenden Einsatz militärischer Drohnen. Ihr Buch Drohnenkrieg – Tod aus heiterem Himmel (Drone Warfare – Killing by Remote Control) erschien Ende 2012 in den USA.
Drone Warfare – Killing by Remote Control