Drunger u drüber

Morgegschichte

von

Fragt man ihn nach seiner Berufsbezeichnung, antwortet Walter Däpp, er sei Journalist. Die Antwort ist unvollständig. Wohl hat er viele Jahrzehnte lang erfolgreich als Journalist gearbeitet. Aber eigentlich ist Walter Däpp ein Poet.Zu diesem Schluss kann schon kommen, wer Däpps Reportagen liest, wer sein Flair für eine genaue, fliessende Sprache erkennt, wer spürt, wie Däpp das vermeintlich Alltägliche durch sein Schreiben verwandelt. Doch bei der Lektüre seiner hier vorliegenden Morgengeschichten drängt sich eine solche Erkenntnis geradezu auf: Jede dieser Geschichten ist zunächst und vor allem Poesie.
Meist packt er mich bereits mit dem Anfangssatz: ‚Z Oschtermundige gits e Steibruch‘, kann so ein Satz lauten oder: ‚Itz heig ers guet, het er gseit, dä alt Maa.‘ Bei solchen Eingangssätzen brauche ich als Leser keine Vorrede, da bin ich von allem Anfang an mittendrin in einer Geschichte. Danach muss ich freilich neugierig und aufmerksam bleiben, denn meist führt mich die Geschichte, die so vertraut angefangenhat, in ein unbekanntes Feld. Das macht für mich die Stärke des Geschichtenerzählers Walter Däpp aus: dass er seinem Stoff vertraut, ganz gleich wie unbedeutend er auf den ersten, flüchtigen Blick erscheinen mag. Er kann dem Alltäglichen vertrauen, weil er etwas zu erzählen hat.Es gibt Bücher, die hätte man gerne selber geschrieben. Diese Sammlung von wunderbaren Geschichten gehört zweifellos dazu. Das schreibe ich ohne Neid, sondern voller Respekt für einen Poeten, der sich selber Journalist nennt, was in seinem Fall das Gleiche ist.Pedro Lenz