Leseprobe 1:
Brautschau
Im Sommer, rein zum Lustgewinn,
Gibt sich Veit Christine hin.
Sein Traum jedoch, der ewig bleibt,
Ist Britt, mit der er Briefe schreibt –
Jener macht er auch den Hof.
Doch die andre ist so doof
Und verliebt sich etwas später
In den Zweigleis-Schwerenöter.
Irgendwann dann, kurz vorm Winter,
Kommt Christine doch dahinter,
Dass Veit sie nicht so richtig liebt.
Worauf sie ihm den Laufpass gibt.
Ihn stört’s kaum, er baut auf Britt!
Doch kurz darauf bekommt er mit –
Britt verliebt sich in Christine!
Und auch die macht gute Miene
Zu der Brautschau jener Frau,
Und – man ahnt es schon genau:
Seine beiden Herzensdamen
Tragen bald denselben Namen,
Holen sich ein Aufgebot,
Sind vereinigt bis zum Tod;
Während Veit die Augen triefen –
Er bleibt übrig mit Britt’s Briefen.
Leseprobe 2:
Unsre Brücke
Jemand sägt an unsrer Brücke,
Jemand kappt sie kurzerhand,
Sprengt den schönen Steg in Stücke,
Der uns übern Fluss verband.
Und wir können sie nicht hindern,
Ihren bitterbösen Plan,
Ihren Störtrieb nicht mehr mindern –
Unser Abbau – er begann.
Jemand sägt uns an der Brücke,
Etwas schlimmes ist passiert –
Auf dem Fluss klafft eine Lücke,
Es ist neblig und mich friert.
Sicher gäb’s auch andre Wege,
Doch der Umweg wird immens;
Unsre Bindung steht in Schräge
Und es kommt auch kein Konsens.
- Veröffentlicht am Dienstag 20. Dezember 2016 von Hahn, Martin
- ISBN: 9783000552342
- 96 Seiten
- Genre: Belletristik, Lyrik
