Forschungen zu Südosteuropa. Sprache – Kultur – Literatur

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Gott, die heilige Familie und die christlichen Heiligen manifestieren sich in den südslawischen Volksliedern in unterschiedlicher Weise: Sie tragen christliche und alttestamentarische Züge, die verwoben sind mit vorchristlichen Glaubensrelikten der alten Slawen. Dieser Synkretismus – die Vermischung von Glaubenslehren, Glaubensvorstellungen und Praktiken – zeigt sich in dem Miteinander oder der Überlagerung von christlicher heiliger Familie und Vorstellungen aus dem Volksglauben wie beispielsweise dem Glauben an jenseitige Figuren wie Vila, Krankheitsdämonen oder Schicksalsfrauen.
In Petra Himstedt-Vaids Studie werden das Miteinander und das Verflochtensein von christlichen Glaubensvorstellungen und Elementen aus dem Volksglauben im bosnisch-herzogowinischen, bulgarischen, kroatischen, makedonischen und serbischen Volkslied betrachtet. Hierfür wurden fast 1000 Lieder aus gedruckt vorliegenden Liedersammlungen gesichtet und in die Untersuchung einbezogen, ausgewählte Liedausschnitte wurden ins Deutsche übersetzt. Himstedt-Vaid bietet so einen umfassenden Einblick in die vielschichtige Glaubenswelt wie das mythisch-magische Weltbild der Südslawen und deren Abbildung in der Volksdichtung.