FUNDUS

Mediale und systemische Konstellationen

von

Bei der Rezeption von Werken und Objekten der Kunst treten zunächst vier Faktoren ins Spiel: Als Bedingungen der Wahrnehmung fungieren bestimmte Wissensbestände (Kunsttheorie, Ästhetik und Kunstgeschichte), entsprechende Präsentationsbedingungen (Museen, Bilderrahmen usw.) sowie – nicht zuletzt – das Medium des Geldes. Sie bilden gemeinsam ein Rahmensystem, durch das ein Werk mit spezifischen Eigenschaften erst in Erscheinung zu treten vermag. Einschließlich des rezipierten Gegenstandes, der den vierten Faktor in diesem Geschehen abgibt, stehen alle Faktoren in stetiger Wechselwirkung. Die Art dieser Wechselwirkung allerdings unterliegt historisch nicht unerheblichen Veränderungen. Im Zuge der Entwicklung der Moderne geraten sämtliche beteiligte Faktoren unter einen verschärften Legitimationsdruck, der immer neue Mechanismen der Legitimation und Stabilisierung der Dynamik des Systems auf den Plan ruft. Inflations- und Deflationsprozesse in den Beiträgen der einzelnen Faktoren sind dabei funktional verkoppelt: Jede Entwertung in einem Segment des Systems hat komplementäre Bewegungen der Aufwertung in anderen Segmenten des Systems zur Folge. Einer der für die Kunst besonders bedeutsamen Effekte dieser Dynamik ist die forcierte Aufwertung moralischer Motive in der Kunstproduktion und -rezeption, die mit bestimmten Verwerfungen in den moralischen Diskursen selbst einhergeht. Hans Zitkos Studie über die medialen und systemischen Konstellationen der Kunstwelt entwirft nicht nur ein Strukturmodell zu deren Analyse, sie zeichnet auch die historische Entwicklung nach, an deren vorläufigem Endpunkt der heutige Kunstbetrieb steht.