Gemeinsam üben

von

Sätze brechen aus einem „Ich“ hervor, das diese verdreht und verschiebt und zu lakonischen Mikroerzählungen verkantet. Zusammen ergeben diese ein Panorama von Feindseligkeit und Bedrohung: vom „anderen“ in uns selbst, über „lauernde Kleinstlebewesen“ bis zur Vision von unserem Dasein als
launisches Experiment einer zynischen Macht. Berechnung und Verstellung prägen das Zusammenleben in einer lückenlos verwalteten Welt als Spiegelbild der kalten Mechanik des Universums. Und über das Grauen spannt sich eine glatte Schicht zähnefletschenden Amüsements, das Anselm Glück – den Gestus von Unterhaltungsliteratur imitierend – in Tratschgeschichten um ein Apothekerehepaar und dessen Haushaltshilfe Auguste vorführt.
Solch deprimierenden Weltentwurf unterlaufen freilich die vom Autor angewandten Montageverfahren: Verrückungen in der Idiomatik und Verfremdungen von zitiertem Material arbeiten einer vorschnellen Festlegung von Sinn entgegen und vermitteln eine Ahnung von einem Zustand außerhalb des Reglements von Zweckrationalität. Anselm Glücks Häme indes ist wörtlich zu nehmen, insofern sie sich auf sogenannte „Schlagerliteratur“ bezieht: „Gemeinsam üben“ empfiehlt sich als Mittel gegen die allgemeine Verflachung des literarischen Geschmacks.