Glaube als Passion

Zur Funktion der Religion für Seele und Gesellschaft

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Wahrer Glaube entzieht sich der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit. Das Reich Gottes ist auf eine spirituelle Transzendenz – auf einen Gott der Werte und des Sinns – bezogen. Wahre Religion zielt auf die mystische Erfahrung des Eins-Seins mit Gott und auf das Erkennen des Eingebunden-Seins in die Schöpfung. Die Trennung der Erkenntniswege von Glauben (Religion) und Vernunft (Wissenschaft) muss beachtet werden, um die Gefahren einer „totalen Religion“ von Bewusstsein und Gesellschaft fern zu halten.

Niklas Luhmann schrieb diesbezüglich in einem persönlichen Brief (Bielefeld, 19.6.1995): „Würde ich dieses Thema weiterbehandeln, würde es wohl um die Frage gehen, mit welchen Erfolgschancen Funktionssysteme (…) in Bereiche übergreifen können, die unter modernen Bedingungen an sich autonom konstituiert sind.“

Der „Virus des Religiösen“ kann gefährliche Dysfunktionen in Seele und Gesellschaft auslösen: Derartige spirituelle „Kurzschlüsse“ bringen uns um die Errungenschaften der Moderne. Und: Sie verhindern die Entfaltung des humanistischen Potentials eines religiösen Welt-Ethos für Gläubige und Ungläubige. Wer das vergisst, läuft Gefahr, dem Teufel (in der Maske Gottes) auf den Leim zu gehen!