Heinrich Maier 1867-1933

An der Grenze der Philosophie

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„Heinrich Maier, geboren am 5. Februar 1867 in Heidenheim in Württemberg, trug alle Eigenschaften des begabtesten der deutschen Volksstämme in sich und war vielleicht einer der letzten Vertreter jenes Gelehrtentypus, der in der einzigartigen Tradition des Tübinger Stiftes erzeugt worden ist. Eine ursprüngliche, fast knorrige vitale Kraft stellte er ganz in den Dienst des gedanklichen Ringens um die Wahrheit; eine schlichte Treue und eine männlich verborgene Weichheit, die ihn später das Thema gerade des emotionalen Denkens beachten ließ, wurde durch die Zucht der strengen Forschung gehärtet und durchwärmte doch sein ganzes Wesen, so dass die, die ihm Freund sein durften, ihn als immer nah und gegenwärtig empfanden.“So beschreibt ihn sein Kollege Eduard Spranger in seinem Nachruf.

Als eine der herausragenden Wissenschaftlerpersönlichkeiten Anfang des 20. Jahrhunderts lehrte Heinrich Maier mit dem breit gefächerten Fachspektrum der Philosophie, Psychologie und Pädagogik an den angesehensten Universitäten Deutschlands. Die Mitarbeit in den einschlägigen wissenschaftlichen Gremien verschaffte ihm öffentlichen Einfluss, als Mitglied und Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommissionen des geistigen Deutschland wirkte er bis zu seinem frühen Tod im November 1933.

Was ist Wirklichkeit? Wie kann das Verhältnis von Gefühl und Vernunft in Erkenntnistheorie und Logik gefasst werden? Mit diesen Fragen befand er sich mitten in den strittigen Themen seiner Zeit. Dabei waren sowohl Wilhelm Dilthey, Eduard Zeller, Carl Stumpf, Wilhelm Wundt, Eduard Spranger, Edmund Husserl und Karl Jaspers sowie Albert Einstein und Max Planck Weggefährten, Kollegen und Diskussionspartner.