Herbstmobil

Gedichte. Mit Autorenlesung auf CD-A

von ,

Eigentlich ist ‚konkrete Poesie‘ als terminus technicus irreführend. Vor allem angesichts der Gedichte von Ralf Thenior. Zu ihnen paßt die Bezeichnung weit besser, als zu jenen akustisch-visuellen Sprachreduktionen, die gewöhnlicherweise damit gemeint sind. Theniors Poesie ist mit größerem Recht konkret. Konkret bis zum letzten Jota, bis zum kleinsten Tüttelchen auf dem i. Seine Wörter haben Gewicht, das sich in Kilogramm ausdrücken läßt. Seine Wörter haben Geruch, der nur leibhaftigen Dingen eigen ist. Seine Wörter haben Haptik, sind geriffelt, genoppt, gerippt. Und dann – konkret bis zur Abstraktion, ja, bis zur Abstraktion! Ab einem bestimmten Wirklichkeitsgrad werden die Sachen zu wirklich: brechen sich, kippen im schwindelerregenden ‚Sturz nach oben‘ und schwirren hiernach als Sinn-, Gefühls- und Gedankenteilchen durch das kosmische Nitschewo. Denn was sich Metapher schimpft, ist zuviel, nicht zu wenig an Realität. Hat Moleküle, hat Zellen, hat Fasern – allesamt Schwellkörper zur Lust wie zum Leid. (Alexander Nitzberg)