Hinter Wortgerippen und Satzskeletten

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Gerippe und Skelette sind letzte Überreste, bevor alles Organische zu Staub wird – keine schöne Vorstellung für Geliebtes. Es sind aber auch Symbole für Gestorbenes, Misslungenes, Zeichen für den falschen Weg, tödlicher Irrtum. Diese Gegenstände zur Darstellung des Endliches blieb meistens nur Malern vorbehalten, für Bilder in Toten- und Beinhäusern, auf Fahnen bei Karfreitagprozessionen, für Trauertraktate und Bibelstellen – vor allem mit Hölledarstellungen. Viel heikler wird es, diese Endezeichen in Worten darzustellen; sie sind wenig Sichtbares für kaum Schriftkundige. Und gerade darin liegt das sensible Vermögen eines Menschen, sich nur in Worten auszudrücken, Schriftbilder zu zeigen, wenn es um die kaum fassbaren, letzten Dinge im Leben geht. Der Dichter Antoine Twerenbold hat dafür die schwierigste Form schriftlichen Ausdruckes, das Gedicht, gewählt, um seinem Denken darüber eine Fassung zu geben. So zum Beispiel in dieser knappen Darstellung in seinem Gedichtbande „Hinter Wortgerippen und Satzskeletten“:

Mit / Leib und Leid / Neid entflohen / abgrundtief erfahren // so / verlor ich mich / fremd // in mein / Inneres

Antoine Twerenbold, Kommunikationsplastiker und Erfinder der Plastischen Mentalsprache, ist Berufener, der Mitteilung, den Möglichkeiten menschlichen Verständnisses Formen zu geben. Seinen Gedichtband „Hinter Wortgerippen und Satzskeletten“ hat er durch eigene vier Linolschnitten mit Zeichen aus seiner von ihm erfundenen Spezialsprache bereichert.