Hoffnungsvolle Ungeheuer

Zehn Prosastücke

von

„Gift“, „Absturz“, „Geschäft“, „Mist“ und „Krieg“, das sind Stichworte aus den Überschriften der zehn Prosastücke dieses Bandes. Man sieht also: Es geht um Macht und Gewalt.Aber Liesl Ujvary ist keine „sozialkritische“ Autorin im üblichen Sinn. Ihre Texte versuchen zu zeigen, daß „Sozialkritik“ keine Kritik, sondern bloß ein beliebter Teil des üblichen sozialen (Macht-)Spiels sein kann. „Das einzig interessante Spiel“, heißt es daher skeptisch im Text, „ist die Regierung. Welche ganz spezifischen Möglichkeiten habe ich also hier und jetzt?“Gegen die vorherrschenden, maßgebenden Spiele und deren Wortaufwand hat Liesl Ujvary ihre eindringliche Schreibweise entwickelt. Es ist eine Schreibweise, die die wechselseitige Spiegelung von Unbewußtem in den Oberflächen und von Oberflächlichem im Unbewußten vorführt: Das ist die Welt der hoffnungsvollen Ungeheuer, in der alle äußerlichen Reize auf Mobilisierung abzielen, in der jedes Wort darauf lauert, tief ins Innere zu treffen, damit sich ungeheuerliche politische Absichten erfüllen können: Krieg, Haß, Vergewaltigung, Folter.Aber auch das Innenleben kommt einer solchen Politik entgegen: Zu Ujvarys hoffnungsvollen Ungeheuern gehört nicht zuletzt „das Ich“. „Das Ich“ ist in diesen Texten eine anonyme, sich verdeckende Instanz, die den Wörtern entsprechend, ebenfalls darauf lauert, sich durchzusetzen, sich zu realisieren, Eindruck zu machen, zu übertrumpfen oder wenigstens auffällig zu unterliegen.