Ich habe lange nicht doch nur an dich gedacht

Neue und ausgewählte Gedichte

von

Rechtzeitig zur Verleihung des Ernst-Jandl-Preises 2005 der
Republik Österreich in Anerkennung eines reichen poetischen Gesamtwerkes erscheint dieses Buch mit ausgewählten und neuen Gedichten von Michael Donhauser. ‚Ich habe lange nicht doch nur an dich gedacht‘ versammelt in einem umfangreichen Band ausgewählte Gedichte aus den seit langem vergriffenen Gedichtveröffentlichungen ‚Dich noch und‘ und ‚Das neue Leben‘ und größere, über die Jahre entstandene und verstreut veröffentlichte Werkgruppen, unter ihnen die Gedichte, die ihrem Autor den Mondsee- und den Meraner Lyrik-Preis einbrachten, sowie eine große Zahl neuer Gedichte. Sie zeigen Michael Donhauser als einen Dichter, der bei aller thematischen Konstanz eine große formale Spannweite vom kurzen Dreizeiler über rhythmisch und lautlich reich orchestrierte Lang-Gedichte bis hin zum bildstarken Prosa-Gedicht virtuos für die ersten Ziele von Dichtung, für Berauschung und Elevation, zu nutzen weiß: ‚Dichtung, alle Dichtung‘, schreibt Michael Donhauser, ‚hat ihren Grund, sofern es einen Grund gibt, in der Euphorie, in etwas Leichtem also, das trägt, trägt, da es gestaltet ist und verbindet, was sich zeigt, doch nüchtern insofern, als es immer um Wortwahl und Silbenfolgen geht – und stets auch habe ich das Brüchige und Bindende ineinsgesetzt, einmal durch den Gebrauch der Konjunktion ‹und›, wo die Stimme stockt, einmal durch das Wiederaufgreifen des Volksliedhaften, durch dessen Variation oder Beugung, um so die Sprache empfänglich zu machen für die Aufgabe, jene nämlich, zu vereinen, ineinszusetzen, was gesondert erscheint. Denn in aller Dichtung wohnt eine Stimme, welche sagt, welche singt, es ist eine Stimme wie die jener Sängerin in einem etwas abgelegenen Tanzlokal, das ich oft besuchte – diese Stimme hielt die Vokale, offen, als sollten sie nie enden, als würden sie nie enden, in ihrer Seele, während sie dieselben Vokale gleichzeitig von sich stieß, als wollte sie Raum schaffen, als schaffte sie so den Raum für einen Gesang, der ihre Lippen kaum je verlassen würde. Es wirkte so etwas Konkaves und Konvexes ineinander, in dieser Stimme, die zu einer Mitte nur fand, wenn sie verstummte, lächelnd, mit leicht geöffnetem Mund, während sie schaute, die Sängerin, über die Tanzfläche hin, die meist leer blieb, und also in die Leere, als wäre diese gleichsam Abbild eines unsäglich vertanen Lebens – und so sah ich, wie sie schwieg oder dann auch nur trällerte, wie sie Lalala sang und selbst das Trällern bald so, bald so war, bald Ausdruck, bald Leiern, brüchig und wahrhaftig, leicht dahintragend, was schwer zu tragen hieß.‘