Kanon vor dem Verschwinden

Gedichte

von

Wir hatten den Bärlauch / gefangen, er war grün und schrie nicht“ – zurück von seinen poetischen Streifzügen durch unsere Welt, breitet Tom Schulz in Kanon vor dem Verschwinden seine Beute, seine Schätze aus: Gedichte, die das ganze Spektrum der Tonlagen, die Könnerschaft dieses Lyrikers offenbaren. Er kann und will zum Glück nicht anders – mit Tom Schulz hat die Oberlausitz einen Lyriker hervorgebracht, aus dessen Gedichten eine bezwingende Notwendigkeit spricht. Jenseits jeder künstlerischen Attitüde setzt sich hier ein hochreflektiertes lyrisches Ich der Welt aus und erzählt davon in Bildern, die assoziative Fülle und präzise Beobachtung in sich vereinen. Tom Schulz beherrscht die unterschiedlichsten Tonlagen und setzt sie gezielt ein. Unerschrocken mischt er Bilderstakkato, gebrochenen Beat, kalauerndes Sprachspiel, aber auch zärtlich elegische Töne und verwandelt so die Wunden, Risse und Brüche, die er überall wahrnimmt, egal, ob er die Isarauen entlanggeht oder die Kastanienallee, in eine wilde Poesie, aus der vor allem eines spricht: der feste Glaube an die eigene Macht. Wie kritisch und skeptisch Tom Schulz diese Welt auch betrachtet, er findet – er kann nicht anders – fast wider Willen noch im trostlosesten Brachland eine leuchtend blaue Blume.