keiper lyrik

keiper lyrik 25

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Die Verschränkung verschiedener Sprachräume, die Qualität lesenden Schreibens und schreibenden Lesens über Sprachgrenzen hinweg, ist als Merkmal zeitgenössischer Gedichte in Zeiten der weltweiten Vernetzung auch in unserer Lyrikreihe bereits mehrfach sichtbar geworden. In Manon Bauers Variationen über katalanische Themen des Dichters Miquel Martí i Pol erfährt diese hochaktuelle Tendenz eine neue, durchaus radikale und genuin poetische Fortschreibung. Inhalt, Form und Sprachschatz des katalanischen Originals dienen als trampolinartiger Impulsgeber, der Bauers Verse weit über die Grenzen des Ausgangstextes hinweg ihre eigenen Bahnen beschreiben lässt, ohne dass sie die kinetische Energie ihres Ursprungs ganz abstreifen. Der musikalische Topos der Variation wird dabei nicht als bloßes Umspielen eines vorgegebenen Themas, sondern als Resonanz, als Erwiderung, als Ausloten des gemeinsamen Raums eines grundsätzlich musikalischen poetischen Sprechens verstanden und verwirklicht.
Das Ergebnis sind überraschend vielfältige, ausdrucksstarke und virtuose Gedichte, die subtil und eruptiv, geschmeidig und widerspenstig auf verschiedensten Registern des sprachlichen Organums spielen, aber auch das Risiko, den Bruch, das Fragmentarische nicht scheuen und so den Leser, die Leserin zu berühren verstehen.