Mascha und die Gans

Nach einer wahren Geschichte

von

Mascha – ein kleines Mädchen – liebte alles was der liebe Gott gemacht hatte. die Sonne, den Mond, die Sterne, den Regen und den Regenbogen, den Wind und den Schnee im Winter.
Sie liebte die Erde, aus der so viele schöne bunte Blumen hervor wuchsen und in der auch liebe Tierlein in ihren Höhlen wohnten. und auch die Gnome und die Zwerge. –
Sie liebte das grüne Gras, in das sie sich hineinlegte, um in den blauen Himmel zu schauen.
Sie liebte die Steine, auf die sie sich setzte und die sich warm anfühlten, wenn die Sonne sie beschienen hatte.
Mascha liebte auch die Bäume, auf die sie klettern konnte und von denen sie leckere
Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen herunter holte.
Ach ja – und sie liebte die Schmetterlinge, die so lustig herumflatterten.
Und die Vögel, die so schön singen konnten.
Da sang sie manchmal einfach mit:

„Wie schön ist das, wie schön ist das!“
Ja, so sang sie.
Und auch die großen Tiere waren ihre Freunde.
das Schaf
die Kuh
das Pferd
das Reh im Wald
. und sogar Petz der Bär,
der Hase, die Katze, die Ziege, das Schwein, der Igel
und alle Tiere, die sie traf.
Einmal, in der Nacht,
als Mascha tief und fest schlief.
hatte sie einen wunderschönen Traum –
sie träumte von einem kleinen Küken, so weich und zart
und gelb – wie die Sonne.
Von einem Gänseküken – sie hatte es in beiden Händen gehalten
und es hatte fröhlich gepiept.
Dann ist es immer hinter ihr hergelaufen
und sie war die Gänsemama!
Als Mascha aufwachte, war das Küken verschwunden.
Solch` ein Küken hätte sie so gerne gehabt!
Und nun träumte sie auch am Tage davon.
und sie machte sich auf die Suche es zu finden.
Sie suchte auf der Wiese, im Wald,
am See, unter den Büschen.
Sie fragte die Schmetterlinge, den Maulwurf, den Igel.
alle ihre Freunde.
Aber niemand konnte ihr helfen.
Eines Abends, als schon die Sterne schienen, schaute sie aus dem Fenster
in den Garten und da sah sie etwas Kleines, Gelbes.
Sie lief dorthin. Ach, da stand Munkepunk der Zwerg vor seiner Höhle
und er hatte etwas Kleines, Gelbes in seinen Händen.
„Munkepunk, hast du das kleine Gänschen?“ fragte Mascha.
„Ach Mascha, das isteine kleine Sonne, die ich unter der Erde brauche, damit die Blumen und Wurzelkinder im Winter gewärmt werden. und auch die kleinen Tierlein, die ihren Winterschlaf halten.
Traurig ging Mascha nach Hause.
Es war schon spät geworden und vielleicht würde sie ja wieder
von ihrem Gänseküken träumen.
Am nächsten Morgen ging sie wieder auf dic Suche.
Da traf sie Pit Wurzelfein – er hatte so gütige Augen,
dass sie glaubte, er könne ihr helfen.
„Pit Wurzelfein, weißt du vielleicht, wo ich mein Gänseküken finden kann, das ich im Traum gesehen habe?“ – „Wenn du das Rätsel lösen kannst, das ich dir gebe, wirst du es bestimmt finden!“ Er rollte mit seinen Augen und lauschte:

„Hörst du einen feinen Ton,
ein Singen so zart und lieb.
mit einem roten Kleid,
dann weißt du bescheid.
Es ist ein so schöner Ton, dass die Wurzeln unter der Erde
mitsingen und sich immer freuen, wenn sie ihn hören“.
Da ging Mascha., dankte Pit Wurzelfein und legte sich ins Gras.
Lange dachte sie an das Rätsel.
Sie wurde ganz müde davon – und bald schlief sie ein.
Da, auf einmal hörte sie einen ganz zarten, lieblichen, geheimnisvollen Gesang.
Er war so schön, dass sie auf ihre Beine sprang und ihm folgte.
Manchmal war das Singen ganz nah. dann auch wieder weit weg.
Da sah sie, dass es das Rotkehlchen war, das so schön sang.
Es blickte Mascha mit seinen großen schwarzen Augen an,
als wollte es von einem Geheimnis erzählen.
Es hüpfte vor ihr her, setzte sich auf Zäune, niedrige Bäume,
sodass Mascha es immer sehen und ihm folgen konnte.
Auf einmal war es still. was war das? Mascha sah ein kleines Häuschen, ein Ställchen. und es schien ein Licht darin, Mascha ging mit großen Schritten auf das Häuschen zu.
Was hörte sie? Ein leises Piepen. so, wie sie es im Traum gehört hatte.
Mascha`s Herz hüpfte vor lauter Freude!
Doch niemand war zu sehen. und so machte sie sich ganz lang,
sodass sie in das beleuchtete Fenster hineingucken konnte.
Ei, was sah sie da! Lauter kleine, gelbe Küken.,
so, wie sie eines in ihrem Traum gesehen hatte.
Mascha klopfte an die Tür.,
doch niemand öffnete ihr -.
Es war schon spät geworden und Mutter Marie wartete
bestimmt schon mit dem Abendessen auf sie.
Eilig lief sie nach Hause,
denn morgen in der Frühe wollte sie wiederkommen.
Und das tat sie auch! Diesmal stand ein kleines Bäuerlein vor der Tür,
hinter der das feine Piepen zu hören war.
Als er Mascha`s große, bittende Augen sah, ging er in den Stall hinein, holte ein Küken heraus und legte es vorsichtig in ihre geöffneten Hände.
„So, jetzt bist du eine Gänsemama, zeige dem kleinen Küken die schöne Welt.“
Er gab Mascha noch ein Säckchen mit Körnlein mit und winkte ihr nach.
Ach, was hüpfte Mascha`s Herz vor Freude! Sie hielt das kleine Gänseküken im Arm.
So weich, so warm, so lieb war es.
„Donald sollst du heißen und ich werde dir alles Schöne zeigen, was es auf der Welt gibt!“
Mascha sang: „ Wie schön ist das. wie schön ist das!“
Und Donald piepte dazu: „Piep piep piep piep. piep piep piep piep“.
Mutter Marie freute sich auch sehr über Donald, den neuen Hausbewohner und sie half Mascha neben ihrem Bett ein kleines Nestchen zu bauen, in dem Donald schlafen konnte. Das tat er auch., aber immer wenn Mascha aufstand, lief er ihr hinterher, so wie das
Gänseküken auch bei ihrer Gänsemutter machen.
Am nächsten Morgen zeigte Mascha Donald glücklich alles was es zu sehen gab.
Das Häuschen, den kleinen Teich, die Blumen, Gräslein, die Käferlein,
und alles, was Donald sehen wollte.
Als sie beide müde waren, legte sich Mascha ins Gras und Donald hüpfte auf ihren Bauch und hörte weiter zu, was Mascha alles zu erzählen hatte.
„Piep piep piep,“ sagte er zufrieden und glücklich.
So taten sie es jeden Tag.
Donald wunderte sich oft,
wie groß eine Blume war. oder ein Baum.,
aber seine Gänsemutter war ja auch groß
und deshalb gewöhnte er sich bald daran
und folgte ihr auf Schritt und Tritt.
Auch Mascha wunderte sich oft, wie klein ihr Gänseküken doch war.
und manchmal sagte sie dann zu ihm:

„Du kleines, gelbes Glück – ich muss auf meine Füße aufpassen,
damit sie dich immer sehen.“
Donald antwortete: „Piep piep piep piep. wie schön ist das“!
Einmal sind sie so lange spazieren gegangen, dass sie sich müde ins Gras legten.
Mascha hat mit ihren Armen ein Nest gebaut und Donald legte sich dort hinein.
Mascha ist eingeschlafen.
Nur Donald wachte auf, als ein Reh durch das hohe Gras gestelzt kam.
und das musste nun doch etwas näher herankommen.
und es staunte, was es dort sah!
„Piep, piep“ sagte Donald und das Reh schnaubte etwas,
das sich so anhörte, als ob es sagen wollte: „Ruht euch nur weiter aus.,
schön, dass ich euch getroffen habe.“
Und so verschwand es im hohen Gras
Auch Petz den Bären trafen sie als sie noch weiter gewandert waren.
der staunte auch, das Mascha solch ein kleines Küken auf ihrem Schoß hatte,
aber die beiden sahen so vetraut miteinander aus, dass er nur dachte:

„Jetzt hat Mascha aber einen ganz besonders lieben Freund“
und er freute sich mit.
„ Brumm, brumm einen schönen Tag noch und kommt doch gerne
wieder einmal in meinen Wald.“
Das wollten sie gerne tun.
Und als sie beide Hunger bekamen vom vielen In-die-Welt-laufen,
aß Mascha ihre Banane und Donald fand überall ein
leckeres Körnlein und ein besonders zartes Grätschen.
Und als Donald etwas gewachsen war und die Sonne an diesem Tag besonders warm schien, gingen die beiden zu einem großen See. mit hohem Schilf drum herum,
das im Wind rauschte, und eine schöne Melodie davon zu hören war.
Da staunte Donald – so viel Wasser!
Er bewegte seine kleinen Flügelchen und war ganz aufgeregt.
Mascha zog ihre Schuhe aus und ging ins Wasser, Donald watschelte hinterher
und so schwammen beide in dem großen See, plantschten vor Vergnügen
und Mascha sang: „Wie schön ist das, wie schön ist das!“
Und Donald piepte fröhlich dazu.
Am nächsten Tag wollte Donald gleich wieder zum See.
und schwimmen und planschen, wie Gänse es auch sehr gerne tun. –
Es regnete aber so sehr an diesem Tag, dass Mascha einfach Wasser
in die Badewanne einlaufen ließ und Donald dort hineinsetzte.
Das war zwar nur ein kleiner See,
doch Donald planschte trotzdem fröhlich darin herum.
Und das konnte er tun solange er es wollte.
Die Zeit verging –
langsam wurde Donald immer größer.
die gelben Federn verwandelten sich in ein schönes weißes Federkleid.
Und eines Tages war aus dem kleinen, gelben Gänseküken
eine große prächtige Gans – ein Gänsemann geworden.
Eigentlich war Donald so ganz und gar zufrieden – nur manchmal
sehnte er sich nach einem Gefährten, einer Gänsefrau.
Und da erfüllte sich eines Tages sein Wunsch.
Als eine Schar Gänse aus dem Süden in den Norden flog,
blieb eine Gänsefrau zurück.
Sie hatte Donald unten auf der Wiese gesehen und wollte ihn kennenlernen.
Sie landete neben ihm.
Ach, was war das für eine Freude – und ein Geschnatter!
Und als Mascha aus der Schule kam und Mutter Marie
aus dem Haus, staunten beide so sehr,
dass sie vor Freude in die Hände klatschten und dazu sangen:

„Wie schön ist das, wie schön ist das!“
Eine wundervolle Zeit verbrachte Mascha mit Donald und seiner Gänsefrau.
Sie spazierten gemeinsam durch die Wiesen, Felder und den Wald und schwammen
zusammmen im großen See.
Doch eines Tages – als Mascha aus der Schule kam und Donald und seine Gänsefrau
begrüßen wollte, waren beide Gänse verschwunden.
Kein fröhliches Geschnatter war zu hören und soviel Mascha auch beide rief.
Es war keine Antwort zu hören.
Mascha wartete und wartete. Auch am nächsten Tag war
kein Donald und keine Gänsefrau zu sehen.
Vielleicht sind beide Gänse nun in den Norden geflogen?
Mascha war sehr, sehr traurig. legte sich ins Gras, dorthin, wo sie so oft
mit ihren Freunden, den Gänsen gesessen hatte. –
Mutter Marie tröstete sie, wann immer sie konnte und sagte dann:

„Ich glaube, deine Gänse kommen wieder, hab noch ein wenig Geduld.“
Ja, und eines Tages geschah das Wunder!
Donald und seine Gänsefrau kamen zurück und brachten
zwei kleine, gelbe, ganz weiche Gänseküken mit.
Sie hatten sich am See im Schilf ein Nest gebaut, um ganz
in Ruhe zwei wunderschöne, weiße Eier auszubrüten, die
die Gänsefrau dort hineingelegt hatte.
Als die kleinen Küken geschlüpft waren, watschelten alle zusammen zum kleinen
Häuschen am Waldesrand, in dem Mascha und ihre Mutter Marie wohnten.
Ach, war das eine Freude!
Mascha hüpfte glücklich um ihre kleine Gänseschar herum, klatschte
in die Hände und sang dazu:

„Wie schön ist das, wie schön ist das!“