Ming Li

von

Eine derart heftige polizeiliche Kampfbereitschaft und Gewaltanwendung hat man in Bern noch gar nie gesehen, müssen die Teilnehmer der behördlich, polizeilich und juristisch bewilligten Demonstration allmählich perplex einsehen und annehmen; es sieht ganz danach aus, als gelte es heute, einen richtigen Krieg zu gewinnen, was hier in der Tat soeben irgendwie lautstark vor sich geht, womöglich einen richtigen Stellvertreterkrieg, nämlich die kleine Version des weltweiten Krieges der Mächte gegen die Ohnmächte, wie immer und überall. Wir erleben heute im ansonsten ausgesprochen gemütlichen und sehr beschaulichen, ja, verschlafenen und sonst eigentlich richtig verschnarchten Bern kurzfristig einen veritablen Kriegszustand, wie er gegenwärtig auch in Griechenland stattfindet; nur wird hier zum Glück nicht gleich geschossen, erwürgt, erschlagen, gefoltert und ermordet wie momentan in Athen und in all den anderen griechischen Städten mit ihrer so bedeutsamen Vergangenheit; hier, im völlig unbedeutenden Bern ohne jede nennenswerte Geschichte, abgesehen von ein paar Räuberpistolen, die durch das wiederholte Erzählen nicht wahrer werden, wird vorerst nur fachmännisch verprügelt und verkloppt.