Mirjam – Tagebuch

von

Eigentlich hätte sie lauthals um Hilfe rufen müssen, als der Fremde zu ihr ins Haus trat, während sie mit bloßen Füßen im Bottich stand, um die Trauben zu keltern. Aber die Tür hatte diesmal nicht geknarrt, und auch sein freundlicher Gruß verwirrte sie. So beginnt das, was das dumme kleine Mädchen, wie sie sich selber nennt, in ihr Tagebuch schreiben wird.

Und das erzählt dann von ihrer Heirat, von ihrer Schwangerschaft, von dem beschwerlichen Weg nach Bethlehem. Nur an ihr Stöhnen, ihre Schreie während der Stunden, als die Wehen immer stärker wurden, hat sie danach kaum noch eine Erinnerung. Denn nun liegt ja ihr Sohn auf ihrer Brust. Und sie wird ihn Jeshuah nennen, wie der Fremde gesagt hat. Denn jetzt weiß sie endlich, was dieses Wort Gnade bedeutet, von der er damals geredet hat.