Nachtschwarz mit Mondschaum

Gedichte

von

Weit über die Grenzen des Augsburger Landes ist Erich Pfefferlen bekannt und geschätzt. Sein auch nach der Pensionierung andauerndes Engagement im schuli¬schen und im außerschulischen Bereich und sein dauerhafter Einsatz mit Sprache und Tat zur Schaffung eines demokratischen Miteinanders in allen gesell¬schaftlichen Bereichen und vor allem auch sein lite¬rarisches Engagement – u. a. erhielt er den Lehrerpreis der Bundeszentrale für politische Bildung – haben ihm Anerkennung und Lob, aber auch, was er durchaus zu schätzen weiß, Feinde eingebracht.
Wen wundert es, dass einen solchen Autor der Sturz des politischen Gedichts in die Bedeutungslosigkeit schmerzt. Doch diesem Schmerz setzt er die hoffende Gewissheit entgegen: „wo nur hat es sich versteckt / das politische gedicht / irgendwann wird es / wieder auf¬tauchen / hoffentlich / bald // es ist höchste zeit“.
Und er spricht von einem „gedichtewinter“, in dem die Gedichte in ihrem natürlichen, in ihrem humanen Sein, in ihrer Sprache der Analyse der Wirklichkeit ihre Dichter suchen: „halten die gedichte / ihren winter¬schlaf // sehen die dichter nicht / wie hungrig sie sind / nach ihnen“. Kaum kann man den Vorwurf schärfer gegen die aktuelle Schreibhaltung vieler formulieren. Die Abkehr vom Gedicht, die Hinwendung zu ‚gewinn¬bringenderen Formen der Literatur‘ ist Erich Pfefferlens Ding nicht.
Zuwider sind ihm alle, die ihre „Karriere leitern“, und „ein wunder, dass er sich / erkennt noch nach so vielen / häutungen, wandlungen“.
Erich Pfefferlen unterlässt es bei allem politischen und gesellschaftlichen Engagement seiner Gedichte nicht, die besondere Bedeutung und Individualität der Liebe, auch seiner Liebe, zu betonen. „ich lege mich / in deine hand // du legst dich / in meinen traum // wir legen uns / in diesen augenblick.“
Er macht, gerade da er sich der Bedeutung des privaten Miteinanders nicht verschließt, mit seiner Lyrik Mut zum Einsatz für ein humanes Leben. „aufeinander zugehen / beim gang durch die nacht / die lichtwege suchen / dann hinwandern / zu den sternen“.
Sterne – sie werden als Bildlichkeit häufig von dem Augsburger Autor genutzt. Keinesfalls im Sinne einer mythischen Daseinsflucht, vielmehr als Bild, das die Außenbeschreibung seiner gesellschaftlich-literarischen Analyse verdeutlicht. Der Blickwinkel, die Nabelschau Mensch ist ihm viel zu eng. Vielmehr geht es ihm um die Gesamtheit, um die Einheit von Mensch und Natur. „der aprilregen starb / die wärme musizierte: / sonnen¬lichtnoten sprangen über / dächer, fliesen, setzten sich / auf fliegenrücken und vogelgezwitscher / und auch auf meine nackten zehen / zwischen denen grashalme / sich ein nest bauen“. Verse, in denen sich auch die Intensität seines Ausdrucks, seine Bildlichkeit offenbaren.
Die langjährige lietrarische und auch päddagogische Arbeit hat Pfefferlen über die mögliche Bedeutung eines Gedichts gelehrt. Und er weiß, dass das Gedicht nur dem verstehbar sein wird, der es in sich hineinlässt. Und so fordert er den Leser auf: „es nicht draußen lassen / vor der tür / wie die tragische figur / in borcherts drama“.
Pfefferlens Worte werden die Menschen erreichen. Sie können verstanden werden, ergreifen den Leser. Sie appellieren an sein jeweils humanes Sein, fordern ihn zum individuellen und gesellschaftlich verantwort¬lichen Handeln auf. „der honigsüße lichtberg / auf der milchstraße des lebens / wächst und gedeiht // schnitzt uns ewigkeit / in unseren kopf und ins herz“.