Neumünster

Ein Lesebuch

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„Muß es ausgerechnet Neumünster sein?“ wird sich mancher fragen, wenn es ihn aus beruflichen oder zwingenden privaten Gründen hierher verschlagen hat. Nur wenige Städte in Schleswig-Holstein haben einen derartig weitverbreiteten schlechten Ruf wie dieser Ort. Zu Unrecht – wie wir meinen! Daher war es uns ein Bedürfnis, dem Einheimischen und dem Zugereisten, wie auch dem Durchreisenden, Neumünster näher zu bringen.
Im 12. Jahrhundert gingen starke geistige und geistliche Impulse von dem Ort aus. Das hier gegründete Augustiner-Chorherrenstift schuf eine Filiale in Segeberg und verzog selbst 1332 an den stillen Bordesholmer See. Dort wurde nach der Reformation die umfangreiche, bereits in Neumünster entstandene Stiftsbibliothek ein wesentlicher Bestandteil der neu gegründeten Universitätsbücherei in Kiel, so daß sich geistige Fäden vom „Novum Monasterium“ zu der „Alma mater Chiloniensis“ ziehen. Vom Domherrenstift Neumünster aus – es war nie ein Kloster im eigentlichen und klassischen Sinn – wurde der Osten Schleswig-Holsteins christianisiert. Neumünster hatte die missionarische Schlüsselstellung.
Später war der Flecken Durchgangsstation für Feldherren, Könige, Soldaten, Fuhrleute, Handwerker und privat Reisende. Wer Richtung Norden nach Jütland wollte oder von Hamburg über Kiel weiter per Segelschiff nach Kopenhagen, mußte Neumünster passieren. Die Ansiedlung war aufgrund der geographischen Gegebenheiten nicht zu umgehen! Diese Situation als Durchgangsort hat jahrhundertelang die Straßen und die Bewohner geformt. Die Hektik und Geschäftigkeit, die durchmarschierende Truppen, passierende Reisende, eilige Fuhrleute und Händler ausströmten, prägten den Ort, insbesondere sein Zentrum, – den Großflecken. Behäbigkeit und kleinstädtische Idylle hatten es schwer, sich auszubreiten.
Der Standort der Stadt als Eisenbahnknotenpunkt verstärkte im 19. Jahrhundert die Unruhe. Die beginnende Industrialisierung, die sich der Bahn als günstiges Transportmittel bediente, tat ihr übriges, um Romantik im Keim zu ersticken. Eventuelle Spuren davon beseitigte der 2. Weltkrieg fast vollständig. Und doch lohnt sich in Neumünster ein Kurzbesuch oder gar ein längerer Aufenthalt! Die wechselnde Geschichte dieses Ortes durch die Jahrhunderte zurückzuverfolgen anhand von einzelnen literarischen Zeugnissen und Dokumenten, das Leben der Bürger, Handwerker und Arbeiter, wenn auch nur fragmentarisch, nachzuvollziehen, ist einen Versuch wert! Gehen Sie mit uns durch diese Stadt und spüren Sie Liebe zu diesem Ort, wenn auch vielleicht nur auf den zweiten Blick! Wir danken all denen, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen. Leider können wir nur eine Auswahl aus der Fülle der gesammelten Zeugnisse bringen, die weder erschöpfend sein sollte noch konnte.