Reihe Literatur

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Unter dem Titel Europa hat die Form meines Gehirns publiziert die Akademie eine Sammlung von acht Texten, die Mircea Cartarescu zwischen 1990 und 2007 geschrieben hat und die zur Hälfte in deutscher Sprache noch unveröffentlicht sind. Auch wenn die Themen seiner Texte ‚umstandsbedingt‘ rumänisch sind, so lehnt er die Rolle des ‚Rumänen vom Dienst‘ ab und beansprucht für sich den universellen ’schöpferischen Geist‘ der Literatur: Sein Werk wurde von der Kritik mit Begeisterung aufgenommen, als einen ‚plötzlichen, blendenden Strahl am fahlen Firmament der europäischen Literatur‘ (Le Monde).

Im dem Band Europa hat die Form meines Gehirns setzt sich Mircea Cartarescu mit der unmittelbaren politischen und sozialen Realität in Bukarest, in Rumänien und Europa auseinander und legt den Finger auf die europäischen wie auch auf die eigenen Wunden: Der Umgang mit den Roma, die Minderwertigkeitskomplexe der Rumänen, die ‚über Jahrzehnte in ihrem Ghetto eingeschlossen waren‘, die Grenzen und Denkschablonen, die einen daran hindern, Europa als eine Chance und Hoffnung zu sehen, gehören ebenso zu seinen Themen wie auch Bukarest, die Stadt seiner Mutter und seiner ersten Liebe, die Stadt, die ihn zum Dichter gemacht hat. Mit ihrer literarischen Dimension sind Cartarescus Texte viel mehr als nur kurzfristige Stellungnahmen eines gefragten Publizisten zu feuilletonistischen Themen. Sie zeigen einen Schriftsteller, der in der ersten Person schreibt und die literarische Dimension seiner Aufgabe nie aus dem Auge verliert. Sie zeugen auch von einer jungen Demokratie, in der die Stimme eines engagierten Intellektuellen noch Einfluss auf das politische Geschehen ausüben kann.