Seiltänzer

Prosaminiaturen

von

Mit dem Truck in Richtung der untergehenden Sonne. Zu Fuß durch die finsteren Schluchten der größten LKW- Raststätte Europas. Verlorene diskutieren in einer von Bananenstauden unzureichend versteckten türkischen Kneipe. Ein Schatten balanciert auf Gewächshäusern und macht den letzten entscheidenden Schritt – in die Wolken. Das neue Buch „Seiltänzer“ ist der Nachfolger von Sören Heims „Kleinstadtminiaturen“. Heim erzählt kurze, dichte Geschichten aus ganz Europa, beschwört die Freiheit von Autobahn und Landstraße, bringt Stimmen aus schummrigen Seitengassen zum klingen, verrührt Schweiß, Tabak, Alkohol und Benzin.
„Es war Zeit für dieses Buch“, erklärt Heim. „Die Zeit seit den „Kleinstadtminiaturen“ ist literarisch gut für mich gelaufen, in diesem Jahr zuletzt mit drei Finals bei größeren Literaturwettbewerben und Veröffentlichungen unter anderem in renommierten Zeitschriften wie „Das Gedicht“. Aber immer wieder wurde ich gefragt, wann denn ein Nachfolger der Miniaturen herauskommt.“ Dass diesmal Texte aus ganz Europa versammelt sind, habe seine Gründe: „In meinen ersten Studentenjahren bin ich gern getrampt, und wenn ich heute über diese Reisen nachdenke, frage ich mich, wie lange solch relativ unbeschwerte Touren angesichts der rasanten Renationalisierung Europas noch möglich sein werden. Natürlich war Trampen nie ganz ungefährlich. In einem Zug nach Barcelona hatte ich zum Beispiel einmal plötzlich das Messer eines Betrunkenen am Hals. Und nur dank der hypnotischen Stimme meines tiefenentspannten Reisegefährten gelang es, uns irgendwie wieder heil aus dieser Situation herauszureden. Aber ob es in zehn Jahren überhaupt noch möglich sein wird, sich einfach in ein fremdes Auto zu setzen und in der hohen Tatra wieder auszusteigen?“
Unterwegs, erzählt der Autor weiter, habe er immer gern schmale Taschenbücher mit kurzen Erzählungen dabei gehabt, die sich wirklich überall lesen lassen. Deshalb sei „Seiltänzer“ in genau so einem Format erschienen.