Spuk & Geflunker

von

In Dominik Steigers, jeweils nicht mehr als eine Seite umfassenden, Spuk- und Geflunkertexten sind herkömmliche Grenzen zwischen Natürlichem und Künstlichem, Mensch, Tier und Pflanze, Weltall und Irdischem außer Kraft gesetzt, selbst die Barriere zwischen Leben und Tod erscheint durchlässig. Strandgut aus verschiedenen Mythologien, aber auch Material alltäglicher Erfahrung amalgamiert sich mit Träumen und Visionen zu rätselhaften Geschichten, etwa vom Vogelmenschen, vom Krüppelspiel oder von einer verstorbenen Seele in Gestalt einer Mücke. Was auf den ersten Blick ins Blaue hinein fabuliert erscheint, folgt doch stets einer den Mikro-Erzählungen inhärenten Notwendigkeit: Handlung hantelt sich entlang mannigfaltiger lautlicher oder bildlicher Assoziationen, analog wohl auch zu solchen Mechanismen, die in unserer vor- und unbewussten Sprachverarbeitung wirksam sind.Im Modus schroffen Behauptens erzeugen Steigers elementare Sätze ein traumhaft-surreales, seltsam ahistorisch anmutendes Pandämonium, dessen verzogene Kulissen auf ins Wanken geratene Bezugsysteme der Jetzt-Zeit verweisen. Durch all die Bedrohung und Düsternis erstrahlt als Signal poetischer Feierlichkeit immerhin ein stets blauer Himmel, auch wenn dieser, wie es einmal im Buch heißt, nur an die Decke geheftet ist. Dominik Steigers „Spuk und Geflunker“ verheißt ein heiter-bestürzendes Lektüre-Ereignis.