Sugar and ice

von

Edgar Honetschlägers Fototafeln zeigen die weltberühmteste Ruine der Moderne in einem Licht, in dem ihre ikonische Schönheit gerade noch zu ahnen ist. Brasilia ist menschenleer, nur Autos sind noch unterwegs unter einem tropischen Regen, der nicht mehr aufzuhören scheint. Oskar Niemeyers provokantes Pathos hat sich verflüssigt, die weiß strahlenden Kanten und Konturen seiner Bauwerke geraten in ein unheimliches Zwielicht aus Blau und Grau. Die Wahrnehmung zerfällt unter einem überwältigenden Himmel, Nebel, Nacht und der Regen lassen Brasilia versinken wie die Fata Morgana der idealen Stadt, einer verwirklichten Utopie aus der Endzeit einer Epoche, die an den unendlichen Fortschritt, unbegrenzte Ressourcen und die Machbarkeit des Glücks glaubte.

Mit Texten von Clarice Lispector und Edgar Honetschläger