Thomas Manns „Tonio Kröger“

Wege einer Annäherung

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Die Künstlernovelle „Tonio Kröger“, 1903 zum ersten Mal in Buchform im S. Fischer Verlag erschienen, ist wohl das am meisten gelesene Werk Thomas Manns (1875-1955). Sie liefert nach den Ergebnissen der jüngsten Forschung ein weitreichendes Selbstporträt des jungen, von Lübeck nach München gezogenen Schriftstellers. Die Novelle erzählt von der persönlichen Erfahrung Manns, daß ein Künstler dem wahren Leben mit seinem Alltag entsagen muß, um im Gegenzug das beobachtete Leben frei nach ästhetischen Gesetzen gestalten zu können.

Aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums versuchen der Fotograf Walter Mayr, das Buddenbrookhaus in Lübeck und der Verlag Boyens & Co. in einem gemeinsamen Ausstellungs- und Buchprojekt eine Annäherung an die Novelle für heutige Leser. Die Ausstellung ist ab 17. August 2003 im Buddenbrookhaus zu sehen.

Zu 40 Schlüsselzitaten aus „Tonio Kröger“ hat der Fotograf jeweils ein passendes historisches Bild bearbeitet, das die authentische Erlebnisgrundlage des Dichters an den Schauplätzen Lübeck, München und Dänemark wiedergibt. Quasi darin implantiert sind heutige fotografische Annäherungen, so daß sich aus den Schlüsselzitaten der Novelle, den historischen Aufnahmen und den Bildern von heute ein überraschendes Beziehungsgeflecht ergibt. Diese wechselseitige Beleuchtung von Gegenwart und Vergangenheit offenbart, daß die Novelle „Tonio Kröger“ bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Ein einleitender Essay von Dr. Wißkirchen liefert den werkgeschichtlichen Hintergrund im Schaffen Thomas Manns, zeigt, wie sehr sich Leben und Auffassung des Dichters in der literarischen Figur spiegeln und fragt nach den Gründen für die Aktualität der Erzählung. Eine Übersicht über alle bisherigen „Tonio Kröger“-Ausgaben sowie eine Bibliographie zu dieser Novelle runden das Buch ab.