Übergangszeit in der Therapie der Lungentuberkulose

Tasten und Suchen in der prä-chemotherapeutischen Ära

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In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vertraute die Therapie der Lungentuberkulose überwiegend auf eine Stärkung der Selbstheilungskräfte des Organismus. Dazu dienten Heilstätten, deren Angebot aus Ruhe, frischer Luft und guter Ernährung bestand. Eine Fülle von Therapieversuchen galt denen, die, als „offen Tuberkulöse“ bezeichnet, ihre Bakterien in die Umgebung streuten. Zahlreiche Medikamente erwiesen sich als wirkungslos, bevor ab 1944 eine die bakterielle Ursache direkt bekämpfende Chemotherapie einsetzte. Auch die Strahlentherapie und eine spezielle Diätetik versuchten, letztlich erfolglos, zur Linderung des Leidens beizutragen. Ab der Jahrhundertwende werden Eingriffe mit dem Ziel, die Lunge durch Luftfüllung des Brustkorbes zu komprimieren und damit „ruhigzustellen“, zur Routine. Sie gipfelten in ihrer extremsten Form in drastischen, später etwas schonenderen Methoden operativer Brustkorb-Einengung. Dies brachte in den 1930er Jahren für die meist jungen Patienten eine leichte Verbesserung der Heilungschancen. Am Ende eines 50 Jahre andauernden Ringens hatte eine intensiv forschende Wissenschaft Medikamente entwickelt und erprobt, die der „Weißen Pest“ und den Heilstätten ein Ende bereiteten.

An 50 Jahre einer an Ereignissen reichen Übergangszeit, einer Zeit der Hilflosigkeit bis hin zur Ära definitiver Therapie, soll hier erinnert werden. Angesichts neu auftretender Formen und therapeutischer Lücken hat die Tuberkulose wieder an Aktualität gewonnen.

Ulrich Aumann, Dr. med., geb. 1947 in Hof/Saale, Abitur am Humanistischen Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg, Studium der Medizin in Erlangen, Lübeck und Münster/Westf., Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie. Chefarzt in Balve und zuletzt in Meschede. Konsiliararzt an der Lungenklinik Kloster Grafschaft-Schmallenberg. Seit 2011 im Ruhestand.