Wie ein Fleck zurückblieb

Erzählungen. Mit einer ausführlichen Einleitung zu Werk und Leben von Robert Hodel

von

Der vorliegende Band versammelt zwölf Erzählungen des serbischen Schriftstellers Dragoslav Mihailović. Die Texte sind lebendiger Ausdruck eines halben Jahrhunderts süd­euro­päischer Geschichte und sie zeugen, ob sie nun im Milieu von Ob­dach­losen, Bergleuten, Häftlingen, Partisanen oder Lehrkräften in der Provinz handeln, von einer tiefen Menschlichkeit. Mihailović ist seinen Figuren nahe und dennoch leben sie ihr eigenes Leben, als wären sie der Wirklichkeit selbst entnommen. Den zwölf Geschichten ist eine Einführung voran­gestellt, die auf Gesprächen mit dem Schriftsteller beruht. Mihailovićs Lebensweg beginnt in Armut, Verwaisung und Gefängnis­haft in einem der berüchtigsten Arbeitslager nach dem Zweiten Welt­krieg, führt über Studium und verschiedene Erwerbs­tätigkeiten – vom Waage­meister, Eierhändler und Impresario eines Wanderzirkus bis zum Buch­verkäufer und Redakteur kleiner Zeitschriften – zu ersten literarischen Erfol­gen, spitzt sich 1969 in einer direkten Konfrontation mit Josip Broz Tito zu und mündet in den folgenden Jahr­zehnten in eine breite Aner­kennung als Autor und Publizist.

Dragoslav Mihailović: geb. 1930 in Ćuprija, gehört zu den wichtigsten Autoren der serbischen Literatur. Sein 1968 erschienener Roman Als die Kürbisse blühten wurde in die meisten europäischen und auch in andere Sprachen übersetzt. Viele seiner Werke – so Der Kranz der Petrija, Einführung in die Arbeit, Aller retour und Die Gestiefelten – liegen in Verfilmungen vor. Mit seinem fünfbändigen dokumentarischen Werk über die Lagerinsel Goli otok, ist Mihailović seit den Achtzigerjahren zu einer Stimme in der jugoslawischen und postjugoslawischen Öffentlichkeit geworden. Er lebt als freier Schriftsteller in Belgrad.

Robert Hodel: geb. 1959, Studium der Slavistik, Philosophie und Ethnologie in Bern, St. Petersburg, und Novi Sad, Professor für Slavistik in Hamburg. Übersetzungen: Vor dem Fenster unten sind Volk und Macht: Russische Poesie; Hundert Gramm Seele: Serbische Poesie; Momčilo Nastasijević.