Wind ohne Namen

Gedichte

von

Mit scheinbar leicht hingeworfenen, aber äusserst präzisen Skizzen, mit rhetorischem Schwung und ironischen Untertönen lockt uns Roland Merk in die Tiefe und lässt uns teilhaben an seiner Erforschung der Welt. Das Gefährt für diesen Tauchgang ist für ihn die Lyrik mit ihrem Reichtum an Formen und Assoziationen, in denen Bilder und Erfahrungen, Gedachtes und Gefühltes in aller Freiheit nebeneinander zu stehen kommen, um so die Welt unter die Lupe nehmen zu können. Dabei entsteht eine Aufnahme des heutigen Menschen, der orientierungslos in seiner Gegenwart steht und ratlos in die Zukunft blickt. In vier Zyklen lotet der Autor den Zustand der Welt aus: Die Meeresstimmungen von ‚Skizzen einer Landschaft – Espace de Normandie‘ vermitteln als metaphorisches Tableau eine Ahnung vom Schiffbruch unserer Gesellschaft; ‚Spurensuche‘ erkundet die Welt als einen offenen Text und tastet Phänomene wie Träume, Städte und Filme, aber auch das Überleben im Alltag ab; ‚Wind ohne Namen‘, der dem Band seinen Titel gegeben hat, ist eine Zeichnung unseres betriebsamen Daseins und gleichzeitig Chiffre der Leere unserer Zeit. Und schliesslich stellt ‚Gesang von der Nacht‘, der Brechts ‚An die Nachgeborenen‘ und Hölderlins ‚Hyperion‘ zum Ausgangspunkt nimmt, Fragen nach der Zukunft des Menschen. Mit einer gekonnten Mischung von Poesie und Philosophie, Ernst und Leichtigkeit lässt Roland Merk existentielle Fragestellungen durchscheinen, schlägt er – bei höchster Aktualität der Themen – Brücken von der Antike über die Romantik bis zur Moderne und Postmoderne und entwirft Zukunftsszenarien in Science-Fiction-Manier: ein Gedichtband, der sich, bestechend durch sprachliche Virtuosität, eindringliche Bilder und hintergründigen Witz, mit den grossen Themen der Menschheit auseinandersetzt.