Wo man sich noch Gevatter sagt

Bukolische Gedichte

von

Bukolik: Die Gattung der Hirten- und Schäferdichtung erlebte eine erste Blüte in der Antike (Theokrit!, Vergil!), eine zweite von der Renaissance bis zum Rokoko. Seither blüht sie eher nicht mehr.
Basil Schader verhilft ihr zu einem fulminanten Revival und lässt seine Schäferinnen und Lämmer zu allen Registern der Metrik und in Versformen vom Sonett bis zur Ballade tanzen,
Die 45 Gedichte schlagen einen weiten Bogen von Froh- bis Missmut, von Lebensfreude bis Todesangst, von Tief- bis Fein- und Unsinn.
Dabei wird bald klar, dass sich hinter der wenig sinnlich klingenden Etikette «pastorale Poesie» ein weiter Raum eröffnet, der keineswegs nur lieblicher Ort/locus amoenus ist, sondern auch ziemlich idyllenfreie Ecken kritischer, zotiger und trunkener Unsentimentalität umfasst. «Nichts Menschliches ist hier fremd», mag man angesichts des breiten Spektrums murmeln, das von philosophisch angehauchten Gedichten («Er sinniert am Küchentisch») über Selbstreflexives wie «Pralle dralle Busen-Ballen» bis zum nur mehr gelallten «Trunkene Landleut« reicht. Schäferdichtung heute ist nicht mehr Schäferdichtung gestern – wo sind die Schafe?
Bereichert und angereichert wird das Lesevergnügen durch die grafische Gestaltung von Barbara Müller. In bester multisensorischer Tradition ergänzt sie die Texte um eine optische Dimension und lässt das Buch dadurch zugleich zum Augenschmaus werden.