Game of Thrones für junge Leser

Schattenkrone | Eleanor Herman besprochen von Inken am 7. Oktober 2017.

Bewertung: 3 Sterne

Wir schreiben das Jahr 340 v.Chr. im antiken Griechenland. Der junge Mann, der später allen als Alexander der Große bekannt sein wird, macht mit seinen 17 Jahren  gerade erst seine ersten Schritte als König und Stratege. Er ist auf der Suche nach einer Gelegenheit aus dem Schattens seines Vaters zu treten und sein Können zu beweisen. Wie jeder junge Herrscher lernt Alexander schnell, das Macht nichts ist, was man kampflos erreicht und dass Freunde zu Feinden, und Feinde zu Freunden werden können.

Eleonor Herman hat mit ihrem ersten Jugendroman zwei Welten geschickt verknüpft. Das historische Setting der Antike, das sie dem Leser mit bildgewaltiger Sprache näher bringt, kombiniert mit mythologischen und fantastischen Elementen, lässt einen schnell glauben, dass es wirklich so gewesen sein könnte. Man merkt hier schreibt jemand, der sich in der historischen Materie auskennt. Oft hatte ich das Gefühl, ich würde selbst mit Alexander, Katerina und Zofia durch Makedonien und Persien streifen. Trotz der großartigen Verknüpfung von Geschichte mit Magie und Mythologie haperte es doch stark an der Spannung und der Authentizität der Figuren.

Wir begleiten während des Buches sieben Figuren: Den jungen Alexander, seine Halbschwester Cynane und seinen besten Freund Hephaistion, Katerina und Jacob aus einem Dorf in Makedonien, die persische Prinzessin Zofia und Alexanders Mutter Königin Olympias. Ärgerlicherweise konnte ich mit den eigentlichen Protagonisten Alexander und Kat am wenigsten anfangen. Dagegen hat mir Cyn, die wie eine Spinne ihr Netz emsig Intrigen spann neben Olympias und Zofia am besten gefallen. Alle drei hatten Ziele für das sie arbeiteten, an denen sie scheiterten und dennoch nicht aufgaben und neue Wege suchten. Bei Kat war mir das lange nicht klar, bis sie es denn endlich zur Sprache gebracht hatte und bei Heph und Jacob war sie etwas wie eigenständiges Handeln gar nicht zu erkennen. Heph hätte man als POV-Charakter getrost herausstreichen und dafür Jacobs Perspektive mehr Raum geben können, zumal er auf einer interessanten Position des Spielbretts stand. Mit Alexander besserte es sich im letzten Drittel und offenbarte mehr von seinem Wesen und seinem Können. Er ist nicht auf den Kopf gefallen, für sein junges Alter sehr reif und verantwortungsbewusst.

Es ist sehr schade, dass die Autorin das Potenzial ihrer Figuren nicht voll ausgenutzt hat und nur an der Oberfläche gekratzt hat. Die Emotionen und Gefühle sind tief vergraben und kommen nicht wirklich ans Tageslicht. Die Jugendlichen waren oft zu ruhig und stoisch, dabei boten manche Situationen viel Zündstoff, die dann aber schnell links liegen gelassen wurden und damit auch die Spannung. Hier erlebt die Geschichten so einige Höhen und Tiefen. Es gibt Passagen, die spannend und fesselnd sind und dann wiederum Szenen, die zu detailliert ausgeleuchtet werden und dadurch an Tempo verloren und oftmals zäh wirkten. Die Handlungsstränge von Kat und Jacob sind das beste Bespiel. Jacob wurde nach dem Blutturnier fast völlig außen vor gelassen und der Twist in Kats Geschichte erfolgte viel zu spät. Er war ohne Frage spannend, aber zog die weiteren Ereignisse in die Unglaubwürdigkeit.

Fazit: Schattenkrone hat seine Stärken und seine Schwächen. Der Mix aus historischen, mythologischen und fantastischen Elementen ist Eleonor Herman durchaus gelungen und ihr Schreibstil kurbelt das Kopfkino an. Auf der anderen Seite waren die Figuren noch zu blass und die Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge erfolgte viel zu spät und hat der Geschichte viel Spannung gekostet. Dennoch hatte ich meine Freude mit der Geschichte und bin gespannt auf die Fortsetzung.

3 von 5 Sternen

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